Forschungsprojekt zu inklusiver Mobilität

 

 

Flexible Mobilitätsangebote wie Carsharing oder Mikro-ÖV gelten als zukunftsweisend.
Doch wie inklusiv sind diese Angebote?

LebensGroß untersuchte das gemeinsam mit dem Verkehrsplanungsbüro Triagonal und der Chance B. Das Forschungsprojekt „F.I.M – flexibel.inklusiv.mobil“ kommt zu einem klaren Ergebnis: Barrierefreiheit ist bislang die Ausnahme, nicht die Regel.

Mobilität als Voraussetzung für Teilhabe

Selbstbestimmte Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wer nicht selbstbestimmt von A nach B kommt, ist in vielen Lebensbereichen eingeschränkt – sei es bei Arbeit, Freizeit oder sozialen Kontakten.

 

Im Rahmen des Projekts F.I.M. wurden bestehende Angebote analysiert, Interviews mit Menschen mit Behinderungen geführt und konkrete Praxistests durchgeführt.

 

Lea Tauber von Triagonal fasst die Ergebnisse zusammen: „Es gibt kaum barrierefreie Fahrzeuge. Die regionale Verfügbarkeit ist stark eingeschränkt. Lange Vorlaufzeiten und komplexe Anforderungen an Lenker:innen erschweren die Nutzung. Hinzu kommen nicht barrierefreie Buchungsplattformen. Für viele Menschen sind flexible Mobilitätsangebote damit faktisch nicht zugänglich.“

Praxistest deckt konkrete Hürden auf

Besonders deutlich wurden die Probleme im direkten Test. Christian Fast, Co-Forscher im Forschungsbüro Menschenrechte von LebensGroß, ist auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen und hat mehrere Fahrzeuge ausprobiert. Seine Erfahrungen zeigen typische Schwachstellen: Fahrzeuge waren zu niedrig, Rampen zu steil, Gurtsysteme schwer oder gar nicht korrekt befestigbar. Verständliche Anleitungen fehlten teilweise. Häufig werden barrierefreie Lösungen entwickelt, ohne betroffene Menschen einzubinden – und gehen damit an realen Bedürfnissen vorbei.

 

Auch Kevin Neubauer, ebenfalls Co-Forscher bei LebensGroß, beschreibt die Auswirkungen fehlender Angebote im Alltag: Wer am Land lebt, ist abends oft auf Angehörige angewiesen, um überhaupt in die Stadt zu kommen. Von einer selbstständigen Heimfahrt ganz zu schweigen.

Erste Verbesserungen – und ein neues Buchungssystem

Die Testergebnisse wurden an die Betreiber rückgemeldet. Erste Verbesserungen, etwa in Form von Erklärvideos, konnten bereits angestoßen werden.

 

Auf Basis der Projekterfahrungen entwickelte Triagonal zudem ein barrierearmes Online-Buchungssystem. Dieses berücksichtigt unter anderem unterschiedliche Rollstuhlgrößen und ist bewusst einfach gestaltet, um möglichst vielen Menschen die Nutzung zu ermöglichen.

Folgeprojekt eingereicht

Das Projekt F.I.M. wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert und ist mittlerweile abgeschlossen. Trotz einzelner Fortschritte ist aber klar, dass es strukturelle Veränderungen braucht. Deshalb wurde bereits ein Folgeprojekt eingereicht.

 

Ziel ist es, in einer Modellregion zentrale Fragen zu klären: Organisation, Finanzierung, Haftung, Datenschutz und vor allem verbindliche Standards für Barrierefreiheit. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage für eine spätere, breitere Umsetzung dienen.

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