Frühe Hilfen vertiefen sich zum Thema „Väter“

Wie werden Väter in Beratung und Begleitung wahrgenommen? Werden sie aktiv angesprochen oder bleiben sie im professionellen Kontext oft im Hintergrund? Mit diesen Fragen haben sich die Frühen Hilfen von LebensGroß in einem Praxisprojekt zur Geschlechtergerechtigkeit auseinandergesetzt. Die Ergebnisse zeigen: Väterliche Eingebundenheit entsteht nicht nebenbei. Sie braucht Haltung, bewusste Strukturen und konkrete Schritte im Arbeitsalltag.

Ausgangspunkt des Projekts, das von den Frühen Hilfen in Graz, Graz-Umgebung, Leibnitz, Deutschlandsberg und Voitsberg initiiert wurde, sind Fakten zur Geschlechtergerechtigkeit in Österreich. Noch immer wird der Großteil der Care-Arbeit von Frauen verrichtet. Gleichzeitig haben diese einen wesentlich höheren Anteil an Teilzeitarbeit. Die daraus resultierende ungleiche Verteilung von Ressourcen prägt spätere Rollenbilder.

 

Für die Fachkräfte der Frühen Hilfen stellten sich daraus folgende Fragen: Wie prägen diese Rollenbilder auch unseren Umgang mit Vätern? Wie können Väter im professionellen Kontext nicht nur „mitgemeint“, sondern tatsächlich angesprochen, gesehen und eingebunden werden?

Die Antwort: Der erste Schritt liegt in der eigenen Haltung. Väter müssen von Berater:innen als selbstverständlicher Teil der Familie wahrgenommen werden – nicht als Zusatz, Unterstützung oder Ausnahme. Aus der gemeinsamen Reflexion im Rahmen eines „Runden Tischs“ entstand ein praxisnaher Maßnahmenkatalog. Er zeigt konkrete Möglichkeiten, wie väterliche Eingebundenheit im Alltag gestärkt werden kann. Hier sind einige Beispiele:

 

  • Auf Formularen (Kontaktlisten) müssen Väter explizit angeführt werden
  • Folder und Infomaterialien müssen sich sprachlich an Mütter und Väter richten
  • Väter müssen beim persönlichen Erstkontakt thematisiert werden
  • Bei Terminen müssen Mütter und Väter eingeladen werden
  • Väter müssen gezielt nach ihren Perspektiven befragt werden
  • In Teamsitzungen/Intervisionen müssen Väter Thema sein

 

 

Die Ergebnisse wurden auch im Rahmen einer österreichweiten Tagung der Frühen Hilfen präsentiert. Denn das Bewusstsein für das Thema soll geschärft werden. Wenn Väter in Beratung und Begleitung selbstverständlich mitgedacht werden, stärkt das nicht nur einzelne Familien.

Es verändert Rollenbilder und damit Gesellschaft. Weil wir gemeinsam Großes erreichen.

Frühe Hilfen sind eine gemeinsame Strategie von Bund, Ländern und Sozialversicherung. Der Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen wird finanziert von der Europäischen Union-NextGenerationEU, es handelt sich um eine Maßnahme im Rahmen des Österreichischen Aufbau- und Resilienzplans 2020-2026.

button-up-scroll