Wie wird in den Medien über Armut berichtet?
Eine Studie von LebensGroß und Media Affairs
Rund 14 Prozent der österreichischen Bevölkerung gelten laut Statistik Austria als armutsgefährdet. 2 Prozent leben in Armut und sozialer Ausgrenzung. Jedes fünfte Kind in Österreich gilt als armutsgefährdet. Dennoch ist dieses Thema stark tabuisiert.
„Wir stoßen in unserer Arbeit bei LebensGroß oft auf Unverständnis in Bezug auf Armut. Viele Menschen können oder wollen nicht glauben, dass es Armut in Österreich gibt“, erklärt Susanne Maurer-Aldrian, Geschäftsführerin von LebensGroß. „Das liegt auch an der medialen Berichterstattung zu diesem Thema. Wir wollten wissenschaftlich untersuchen lassen, welche Erzählmuster zum Thema Armut in Österreich verwendet werden. Wer kommt zu Wort und worüber wird geschwiegen?“.

Die Studie, die Media Affairs im Auftrag von LebensGroß durchgeführt hat, wurde im Herbst 2025 in Wien präsentiert. Ein Jahr lang hat das Team rund um Maria Pernegger die Berichterstattung in bundesweit relevanten Medien analysiert. Die Print-Ausgaben von Krone, Heute, Österreich, Kurier, Standard, Presse, Kleine Zeitung wurden im Jahr 2024 qualitativ analysiert. Die Erhebung brachte (unter anderem) folgende Ergebnisse:

In den Medien werden vor allem jene „Armutsbereiche“ thematisiert, die emotionalisieren. Einzelschicksale, die sich gut für Charity eignen, sind ebenso im Fokus wie Obdachlosigkeit, die der mediale Inbegriff von Armut ist. Alltagsarmut, von der jedoch viel mehr Menschen betroffen sind, wird von den Medien jedoch nicht als Thema aufgegriffen. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen oder sogenannte „Working Poor“ kommen in der Armut-Berichterstattung nicht vor. Der Begriff „Working Poor“ beschreibt Menschen, die von Armut betroffen sind, obwohl sie einer Erwerbsarbeit nachgehen. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass Betroffene selbst generell kaum in der Berichterstattung zu Wort kommen.
Die ganze Studie findest du zum Nachlesen unter:
Susanne Maurer-Aldrian fasst zusammen: „Diese Studie zeigt klar, dass das Unverständnis über Armut auch mit medialer Berichterstattung zu tun hat.“ Über die größten armutsbetroffenen Gruppen, über die Dimensionen und Auswirkungen von Armut und werde kaum berichtet. „Gesellschaftliche Ausgrenzung, über die zusätzlich nicht gesprochen wird, fußt letztlich in individueller Scham und diese erschreckende Dynamik gilt es mit guter, fundierter Berichterstattung zu brechen.“

Die Studie wurde in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien und der Armutskonferenz realisiert.